Rudolf Augstein Stiftung

re:claim autonomy

Selbstermächtigung in der digitalen Weltordnung

5. Dezember 2016 · Umweltforum Berlin

Symposium im Gedenken an Frank Schirrmacher

Frank Schirrmacher war einer der wirkmächtigsten Intellektuellen der vergangenen Jahrzehnte. Das Symposium re:claim autonomy! Selbstermächtigung in der digitalen Weltordnung versammelte auf Einladung der Rudolf Augstein Stiftung und des Bundesinnenministers a. D. Gerhart Baum am 5. Dezember 2016 in Berlin Weggefährtinnen und -gefährten Schirrmachers, um den von ihm beförderten Diskurs zur digitalen Gesellschaft fortzuführen.

re:claim autonomy! reflektierte die drängenden Fragen unserer Gegenwart: Wie können wir den digitalen Kapitalismus zähmen? Unter welchen Voraussetzungen halten wir es für legitim, wenn bisher öffentlich nachvollziehbare Entscheidungen von Systemen mit künstlicher Intelligenz getroffen werden? Oder umfassender gefragt: Was müssen wir tun, um Autonomie in einer digitalisierten Welt (wieder) zu erlangen?

Ein Sammelband mit den Redebeiträgen ist für 2017 geplant.

8.30Registrierung

10.00Die Macht digitaler Konzerne (DE)

Wolfgang Hoffmann-Riem, Yvonne Hofstetter, Constanze Kurz (Moderation)

Große IT-Konzerne wie Google, Facebook oder Apple haben heute nicht nur in der digitalen Wirtschaft eine dominierende Position: In einer Welt globaler Vernetzung durchdringt ihre Macht alle Bereiche unseres Lebens. Doch was ist die Quelle ihrer Macht?
Es ist zunächst eine informationelle Macht: Diese Unternehmen verfügen über eine nie da gewesene Menge an Wissen über jeden einzelnen von uns und über die Menschheit insgesamt. Sie können Persönlichkeitsprofile erstellen, nicht nur über die eigenen Nutzer. Bisher nutzen die globalen IT-Konzerne ihr Wissen insbesondere dazu, personalisierte Werbung auszuspielen. Dabei muss es jedoch nicht bleiben: Wer so viel über uns weiß, kann uns auch leicht manipulieren, indem er uns Angebote macht, die wir nicht ablehnen können. Von Big Data zu Big Nudging. Gibt es Grenzen der Manipulation? Wie bekommen wir wieder Kontrolle über unsere Daten?
Hinzu kommt eine große, bisher kaum regulierte kommunikative Macht: Die großen IT-Konzerne sind die „Gatekeeper“ in der digitalisierten Medienordnung. Sie prägen, was wir zu sehen bekommen – durch Filter, Suchalgorithmen, aber auch bewusste Entscheidungen. Was tun, wenn sich ein großer IT-Konzern entscheidet, seine Position politisch zu nutzen, bestimmte moralische Vorstellungen durchzusetzen oder sich in den Dienst einer Regierung zu stellen? Wie regulieren wir solche Unternehmen, die global tätig sind?
Eine staatliche Regulierung erscheint erforderlich, denn die wirtschaftliche Macht der großen IT-Konzerne wirkt unerschütterlich. Aber welche regulatorischen Maßnahmen sind geeignet? Reicht wie bisher das Kartellrecht, oder braucht es weitere Instrumente, etwa ein Äquivalent zur Rundfunkregulierung oder Transparenz als Regulierungsidee? (Wie) lassen sich von Daten und Algorithmen getriebene Systeme so nachvollziehbar gestalten, dass sie gesellschaftlichen Legitimitätsprüfungen zugänglich werden? Sollte das Recht beim Unternehmen, beim Entwickler, beim Code oder beim Nutzer ansetzen?

11.30Kaffeepause

12.00IN BLOCKCHAIN WE TRUST – DIGITALE INFRASTRUKTUREN & VERTRAUEN (EN)

Primavera De Filippi, Philip Banse (Moderation)

Viele halten die Blockchain für einen mit dem Internet vergleichbaren technologischen Durchbruch: Wie das Internet Mitte der 1990er-Jahre soll heute die Blockchain Freiheitspotenziale heben. Blockchains sind dezentrale, öffentliche Register, die Transaktionen verzeichnen. Eine Blockchain ähnelt einem Netzwerk, in dem jeder teilnehmende Computer das Register hält. Kryptografische Methoden sichern die in Blockchains gespeichterten Transaktionen gegen Manipulation ab. Aufgrund dieser Eigenschaften wird der Blockchain-Technologie das Potenzial zugeschrieben, zentralisierte Institutionen in allen gesellschaftlichen Bereichen zu erschüttern oder sie sogar zu ersetzen. Im Raum steht nichts anderes als das Versprechen, dass sich Vertrauen in soziale Institutionen in Technologie auslagern lässt. Anstatt Banken zu betrauen, könnten Bürger Transaktionen in einer digitalen Währung durch die Blockchain absichern. Bitcoin ist dafür das bekannteste Beispiel. Katasterämter könnten dort obsolet werden, wo das Grundbuch per Blockchain geführt wird. In Blockchain-basierten Strommärkte auf Gemeindeebene könnten Energieproduzenten und -abnehmer miteinander Strom handeln, ohne dass große Versorger zwischen ihnen stehen. Manche haben gar ein unzensierbares World Wide Web vor Augen, in dem eine Blockchain jede Löschung verhindert – ein durchaus ambivalentes Szenario. Derweil erinnern die Schlagworte um die Blockchain an die Frühzeiten des Internets: Demokratisierung! Dezentralität! Individuelle Entfaltung!
Doch schauen wir genau hin: Auch bei der Blockchain gibt es große Konzerne, die die Technologie verbreiten. Im Vorbeigehen setzen sie dabei neue Standards. Mit dem Internet haben wir gelernt, dass technische Protokolle politisch sind – etwa, indem sie Privatsphäre vorsehen oder nicht. Und wo Intermediäre verschwinden, tauchen vielleicht auch neue auf. Was also können wir für die Blockchain aus der Governance des Internet lernen? Wie können und wie müssen wir die Blockchain-Infrastruktur und ihre Rahmenbedingungen gestalten, damit sie dem Gemeinwohl dienen?

13.00Mittagspause

14.00WIE TECHNOLOGIE UNSER DENKEN BEEINFLUSST (DE & EN)

Daniel Suarez, Jan Kalbitzer, Frank Rieger (Moderation)

Das Denken wird immer schon geformt von den Wegen, auf denen wir die dazu nötigen Informationen aufnehmen. Immer, wenn neue Informations-Technologien erschienen – ob Buchdruck, Post, Telegraph, Telefon, Fernsehen oder Internet – hatten sie Einfluss darauf, wie Menschen die Welt wahrnehmen und wie sie die Weltwahrnehmung ihrer Mitmenschen manipulieren. Seit wir digitale Artefakte als Denk-Werkzeuge und Informationsmedien verwenden, bemerken wir, dass sich unser Denken unter ihrem Einfluss verändert. Egal ob wir irgendwann einmal die Fähigkeiten unseres Gehirns durch Nanotech drastisch erweitern oder – wie es gerade schon geschieht – eine Art Symbiose mit den Maschinen eingehen: Es ist klar, dass es um eine grundlegende Veränderung des Mensch-Seins und unseres Selbstverständnisses geht. Die Systeme, die für uns riesige Datenmengen filtern, sortieren, aufbereiten, analysieren, darin Muster finden und dabei Teilfunktionen unserer Intelligenz übernehmen, sind Teil des Alltags geworden. Ohne den Zugang zu den Netzen und Suchmaschinen sind wir längst hilflos, kaum noch in der Lage ohne sie unser hochbeschleunigtes Lebens zu bewältigen. Darüber zu klagen bringt wenig. Heute ist es notwendiger denn je, die Muster der Veränderung zu erkennen, zu bemerken, in welche Richtung sie geht und darüber zu reflektieren, ob und wenn ja wie ein Gegensteuern nötig ist. Welche Veränderungen können wir schon beobachten? Wohin deuten sie und was folgt aus ihnen – jetzt und für die nähere Zukunft?

15.30Kaffeepause

16.00DEMOKRATIE IM DIGITALEN ZEITALTER (EN)

Saskia Sassen, Evgeny Morozov, Jakob Augstein (Moderation)

Die Anfeindungen gegenüber westlichen Demokratien verschärfen sich unter dem Eindruck der Digitalisierung. Wir beginnen erst, die neuen Öffentlichkeiten zu verstehen, in denen politische Willensbildung stattfindet. Wo sich zukünftig zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume eröffnen und wo sie sich verengen, hängt davon ab, wie wir heute die Weichen stellen. Es gilt, Technologie und Demokratie gemeinsam zu gestalten.

17.30Abschlussplädoyer (DE)

Gerhart Baum

18.00Empfang

Vortragende

Jakob Augstein

Jakob Augstein

Vorstand der Rudolf Augstein Stiftung

Jakob Augstein, geboren 1967, ist Verleger und Chefredakteur der Wochenzeitung „Der Freitag“. Regelmäßig schreibt er die Kolumne „Im Zweifel links“ auf „Spiegel Online“ und moderiert zusammen mit Nikolaus Blome die Diskussionssendung „Augstein und Blome“ auf „Phoenix“. Für seinen publizistischen Pioniergeist wurde er 2011 mit dem Bert-Donnepp-Preis ausgezeichnet. 2015 gab Jakob Augstein „Ungeheuerliche Nachrichten. Texte Frank Schirrmachers aus den Jahren 1990 bis 2014“ heraus. Im Oktober erscheint sein jüngstes Buch in Ko-Autorschaft mit Nikolaus Blome „Links oder rechts? Antworten auf die Fragen der Deutschen“. Jakob Augstein ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Rudolf Augstein Stiftung und verantwortet ihren journalistischen Förderbereich.

Bild: © Gudrun Senger

Primavera De Filippi, Ph.D.

Primavera De Filippi, Ph.D.

Wissenschaftlerin am Centre national de la recherche scientifique, Paris

Primavera De Filippi ist Wissenschaftlerin am National Center of Scientific Research (CNRS, Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung) in Paris. Als assoziierte Forscherin des Berkman Center for Internet & Society der Harvard Law School untersucht sie das Konzept der „Governance-by-Design“ in seiner Beziehung zu verteilten Online-Umgebungen/Systemen. Der Großteil ihrer Forschung fokussiert die rechtlichen Herausforderungen, die von den aufstrebenden dezentralisierten Technologien aufgeworfen werden und denen sie gegenübersteht – so wie Bitcoin, Ethereum und weitere Anwendungen, die auf dem Blockchain-Prinzip basieren – und wie diese Technologien genutzt werden könnten, neue Steuerungsmodelle dazu zu befähigen umfangreiche dezentralisierte Zusammenarbeit und partizipative Entscheidungsprozesse zu ermöglichen.

De Filippi zum Potenzial der Technologie Blockchain: „Meiner Ansicht nach ist ein wesentlicher Nutzen der Blockchain, dass sie den Bedarf eines Mittelsmannes reduziert (oder sogar eliminiert). Dadurch, dass spezifische Steuerungsregeln direkt in die Blockchain integriert werden, wird es möglich, dass Communities sich selbst organisieren und verwalten können, dadurch dass sie direkt miteinander Geschäfte abschließen können ohne auf eine zentralisierte (treuhänderische) Institution angewiesen zu sein. Zusätzlich zur Befähigung zu neuen Formen großflächiger dezentralisierter Zusammenarbeit, macht es Blockchain-basierte Steuerung zudem leicht, innovative Belohnungssysteme (basierend auf dem Konzept der „crypto-equity“ („Krypto-Kapital“)) zu arrangieren, um neue Anreize für die Menschen zu schaffen, zu einem gemeinsamen Projekt beizutragen.“

Dr. Jan Kalbitzer

Dr. Jan Kalbitzer

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Wissenschaftler, Autor

Jan Kalbitzer forscht an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, aktuell als wissenschaftlicher Leiter des Ladenburger Kollegs „Internet und seelische Gesundheit“ der Daimler und Benz Stiftung. 2015 erhielt er für seine Arbeit den Max Rubner Innovationspreis der Stiftung Charité. 2016 erschien sein Buch „Digitale Paranoia – Online bleiben, ohne den Verstand zu verlieren“ (C.H.BECK) in dem er dazu aufruft, die verbreitete Angst vor der Digitalisierung als Anlass zu nehmen, sich konstruktiv damit auseinander zu setzen, wie wir in Zukunft miteinander leben wollen. Gerade sich und seine Kollegen sieht er dabei in der Verantwortung, Menschen zu motivieren, sich aufgrund berechtigter Sorgen an der Gestaltung der digitalen Zukunft zu beteiligen – statt durch eine pauschale Dämonisierung des technischen Fortschritts mit ihrer gesellschaftlichen Autorität die zunehmend verbreitete Angststarre weiter zu verstärken.

Frank Rieger

Frank Rieger

Hacker, Autor und Sprecher des Chaos Computer Clubs

Frank Rieger, geboren 1971, ist Hacker, Sachbuchautor, Technikpublizist, Internetaktivist und einer der Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC). Er ist zudem technischer Geschäftsführer eines Unternehmens für Kommunikationssicherheit und Mitgründer mehrerer Startup-Unternehmen in den Bereichen mobile und ortsbezogene Informationsdienste und Datensicherheit. Frank Rieger publiziert regelmäßig Artikel zu Themen an der Schnittstelle zwischen Technologie und Gesellschaft. 2011 veröffentlichte er zusammen mit Constanze Kurz das Buch „Die Datenfresser – Wie Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen“. 2013 erschien ebenfalls in Ko-Autorschaft mit Constanze Kurz „Arbeitsfrei – Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen.“

Bild: Wikipedia / Tobias Klenze / CC-BY-SA 4.0

Daniel Suarez

Daniel Suarez

Software-Entwickler und Autor

Daniel Suarez ist Autor der „New-York-Times“-Bestseller „Daemon“, „Freedom™“, „Kill Decision“ und „Influx“. Als Systemberater für Fortune-1000-Unternehmen hat er Software für die Verteidigung, den Finanzsektor und die Unterhaltungsindustrie entwickelt. Aufgrund seines langjährigen Interesses sowohl an IT-Systemen als auch der Schriftstellerei fokussieren seine Romane den technologiegetriebenen Wandel.
Seine Kenntnisse in Softwareentwicklung eignete er sich als Autodidakt an, an der Universität Delaware hat er ein Bachelor-Studium in Englischer Literatur absolviert. Der begeisterte Gamer hat viele Jahre lang Pen-&-Paper-Rollenspiele moderiert und so seine Expertise in der Spieleentwicklung gestärkt.
Bild: © Steve Payne

Philip Banse

Philip Banse

Journalist

Philip Banse, geboren 1972, ist Journalist und Gründer des Podcast-Labels Kuechenstud.io. Der 44-Jährige ist Mitarbeiter im Landesstudio von Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur in Berlin und beschäftigt sich seit Jahren schwerpunktmäßig mit allen Aspekten der digitalen Gesellschaft. Die „Lage der Nation“, sein wöchentlicher Politik-Podcast mit dem Richter Ulf Buermeyer, zählt zu den populärsten deutschen Podcasts.

Bild: © Johnny Haeussler

Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem

Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem

Richter des Bundesverfassungsgerichts a. D.

Wolfgang Hoffmann-Riem, geboren 1940; 1974-2008 Professor für öffentliches Recht und Verwaltungswissenschaften an der Universität Hamburg. Dort war er von 1977 bis 1979 Sprecher des Fachbereichs Rechtswissenschaft und von 1979 bis 1995 sowie von 1998 bis 1999 Direktor des Hans-Bredow-Instituts für Rundfunk und Fernsehen. Zwischenzeitlich war er von 1995 bis 1997 Justizsenator der Freien und Hansestadt Hamburg und Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundesrats. 1999 wurde Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem zum Richter des Bundesverfassungsgerichts ernannt, dessen Ersten Senat er bis zu seinem Ausscheiden 2008 angehörte. Seit 2007 ist Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem Mitglied der Venedig-Kommission des Europarats (The European Commission for Democracy through Law). In den Jahren 2009/2010 war er Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Seit 2012 ist er Affiliate Professor an der Bucerius Law School in Hamburg.

In seiner Zeit als Verfassungsrichter setzte sich Hoffmann-Riem sehr für den Datenschutz ein. Im Jahr 2008 schuf das Bundesverfassungsgericht im Rahmen des Urteils zur Online-Durchsuchung das „Grundrecht auf die Gewährleistung der Vertraulichkeit informationstechnischer Systeme“. Das auch als „IT-Grundrecht“ oder „Recht auf digitale Intimsphäre“ bezeichnete Grundrecht soll vor Manipulationen und Überwachung des eigenen Rechners und der darauf gespeicherten Daten schützen.

Insgesamt sieht Hoffmann-Riem weniger den Staat und dessen Überwachungsbemühungen als Gefahr für die Privatsphäre der Menschen. Seine größte Sorge sind vielmehr die Datenschutz-Verstöße großer Unternehmen. Er hält daher neue Datenschutz-Vorschriften auf europäischer Ebene, die vor allem eine Auskunftspflicht über gespeicherte Daten beinhalten, für notwendig.

Dr. Constanze Kurz

Dr. Constanze Kurz

Autorin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs

Constanze Kurz, geboren 1974, ist Informatikerin, Sachbuchautorin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs (CCC). Nach ihrem Informatikstudium widmete sie sich der Forschung mit Schwerpunkt Überwachungstechnologie, Ethik, Datenschutz und Datensicherheit. Von 2005 bis 2011 war Kurz wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Informatik in Bildung und Gesellschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie war Sachverständige der Enquête-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Deutschen Bundestags und erhielt 2012 den Werner-Holtfort-Preis für bürger- und menschenrechtliches Engagement sowie 2013 die Theodor-Heuss-Medaille für vorbildliches demokratisches Verhalten. Bis 2014 war Kurz als wissenschaftliche Projektleiterin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin tätig, seit 2015 ist sie Redaktionsmitglied von Netzpolitik.org.
Bild: CC Jonas Fischer/re:publica
Prof. Dr. Saskia Sassen

Prof. Dr. Saskia Sassen

Professorin an der Columbia University, New York

Saskia Sassen, geboren 1949, ist Wirtschaftswissenschaftlerin und Soziologin. Sie hat an der Columbia University in New York den Lehrstuhl „Robert Lynd Professor of Sociology“ inne und ist Vorsitzende des Committee on Global Thought. Sassen hat zahlreiche Bücher verfasst, verschiedene akademische Auszeichnungen erhalten und trägt mehrere Ehrendoktortitel. Sie ist bekannt für ihre Analysen über die Globalisierung und über internationale Migration. Ihr aktuelles Buch „Ausgrenzungen: Brutalität und Komplexität in der globalen Wirtschaft“ erschien bei S. Fischer. Zuvor veröffentlichte sie unter anderem „Das Paradox des Nationalen“ (Suhrkamp). Ihre Bücher sind in mehr als 20 Sprachen übersetzt, fünf ins Deutsche.
Bild: By Ot (Own work) / CC-BY-SA 4.0via Wikimedia Commons

Prof. Shoshana Zuboff

Prof. Shoshana Zuboff

Prof. em an der Harvard Business School

Shoshana Zuboff ist Autorin und emeritierte Charles-Edward-Wilson-Professorin für Betriebswirtschaftslehre der Harvard Business School. In ihrem neuen Buch „Master or Slave? The Fight for the Soul of Our Information Civilization“ (erscheint 2017, auch auf Deutsch) verbindet sie ihre Lebensthemen miteinander: die historische Entstehung psychologischer Individualität, die Bedingungen menschlicher Entwicklung, die digitale Revolution und die Entstehung des Kapitalismus. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schreibt sie über die Verschränkung von Kapitalismus und dem Digitalen.
Zuboff ist zudem Autorin des bereits 1988 erschienenen Buches „In the Age of Smart Machine: The Future of Work and Power“ und der einflussreichen Veröffentlichung „The Support Economy: Why Corporations Are Failing Individuals and the Next Episode of Capitalism“ (zusammen mit Jim Maxmin). 2014 und 2015 war sie assoziierte Forscherin am Berkman Center for Internet and Society der Harvard Law School.

Gerhart Baum

Gerhart Baum

Bundesinnenminister a. D.

Gerhart Baum, geboren 1932, ist ein deutscher Politiker (FDP) und Rechtsanwalt. Er war von 1972 bis 1994 für die FDP Mitglied des Deutschen Bundestags. Von 1978 bis 1982 übte er das Amt des Innenministers aus. Schon in dieser Funktion war er für den Datenschutz verantwortlich.

Nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition 1982 lehnte er das Angebot, Justizminister in der Regierung von Helmut Kohl zu werden, ab. Ab 1992 war Baum zehn Jahre in verschiedenen Funktionen für die Bundesregierung in Menschenrechtsgremien der Vereinten Nationen tätig.

Baum gilt neben Burkhard Hirsch und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als profiliertester Vertreter des linksliberalen Flügels der FDP, der sich für den Schutz von Bürgerrechten einsetzt und deren Einschränkung durch staatliche Überwachungsmaßnahmen zu verhindern sucht. Er war an fünf Verfassungsbeschwerden gegen die Ausuferung des Sicherheitsstaates beteiligt. 2012 erschien „Meine Wut ist jung. Bilanz eines politischen Lebens“.
Baum zum Thema Datenschutz: „Datenschutz ist eine Freiheitsbedingung der demokratischen Gesellschaft.“

Yvonne Hofstetter

Yvonne Hofstetter

Unternehmerin, Juristin und Essayistin

Yvonne Hofstetter, geboren 1966 in Frankfurt am Main, ist nach einem Studium der Rechtswissenschaften seit 1999 international in Softwareunternehmen tätig. Seit 2009 ist sie Geschäftsführerin der Teramark Technologies GmbH, eines Unternehmens, das auf die intelligente Auswertung großer Datenmengen für staatliche Kunden und aus der Industrie spezialisiert ist. Yvonne Hofstetter ist Autorin von „Sie wissen alles – Wie Big Data in unser Leben eindringt und warum wir um unsere Freiheit kämpfen müssen“.

Gerade erschien ihr neues Buch „Das Ende der Demokratie – Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt“. Vor der zunehmenden Macht geheimer Software warnt Hofstetter schon lange. Sie ist Mitautorin des Digitalen Manifests (2016).

„Die Bürger müssen Forderungen stellen. Die Grundrechte müssten gegenüber den Technologiegiganten forciert werden. Wir Bürger müssen unsere Bequemlichkeit überwinden. Wir müssen uns politisieren und dürfen die Gestaltung der Digitalisierung nicht nur an die Gewählten delegieren. Die Demokratie muss für die digitale Ära ganz neu errungen werden, sonst steht sie ernstlich auf dem Spiel.“ (Zitat aus Stern-Interview 25/2016)

Evgeny Morozov

Evgeny Morozov

Autor

Evgeny Morozov, geboren 1984, ist der Autor von „The Net Delusion” und „To Save Everything, Click Here” (in der deutschen Übersetzung: „Smarte neue Welt“). Seine monatliche Kolumne zu Technologie und Politik erscheint in The Observer (Vereinigtes Königreich), der Süddeutschen Zeitung (Deutschland), El Pais (Spanien), Le monde diplomatique (Frankreich) und einigen anderen Zeitungen. Seine Texte erschienen in The New Yorker, The New York Times, The Wall Street Journal, Financial Times und anderen Publikationen. Zuvor Chefredakteur bei The New Republic, war er Stipendiat der Universitäten Georgetown und Stanford, der Open Society Foundations, der New America Foundation und der American Academy in Berlin.

Martin Schulz

Martin Schulz

Präsident des Europäischen Parlaments

Martin Schulz, geboren 1955, nach Abschluss einer Buchhandels-Lehre und Gründung einer eigenen Buchhandlung wird Schulz 1987 mit 31 Jahren in Würselen jüngster Bürgermeister Nordrhein-Westfalens. Seit 1994 ist Martin Schulz Mitglied des Europäischen Parlaments. Er war von 2000 bis 2004 Vorsitzender der SPD-Abgeordneten im Europaparlament. Seit 2004 ist Schulz Vorsitzender der SPE-Fraktion, seit Januar 2012 Präsident des Europäischen Parlaments. 2013 erschien „Der gefesselte Riese: Europas letzte Chance“.
Martin Schulz plädiert für eine Ausweitung der Grundrechte, um digitalen Totalitarismus zu verhindern. Er macht sich stark für eine Charta der Grundrechte für die digitale Zeit.

Bild: © Sabine Engels

Veranstaltungsort

Umweltforum Berlin
Pufendorfstr. 11
10249 Berlin


U-Bahn
: U5 bis Strausberger Platz, Ausgang Lebuser Straße, 5 Min. Fußweg
Tram: M5, M6, und M8 bis Platz der Vereinten Nationen, 5 Min. Fußweg
Bus: 142 ab Hauptbahnhof oder Ostbahnhof bis Friedrichsberger Straße, 2 Min. Fußweg

Veranstaltungsort

Umweltforum Berlin
Pufendorfstr. 11, 10249 Berlin

ÖPNV Anreise
U-Bahn: U5 bis Strausberger Platz, Ausgang Lebuser Straße, 5 Min. Fußweg
Tram: M5, M6, und M8 bis Platz der Vereinten Nationen, 5 Min. Fußweg
Bus: 142 ab Hauptbahnhof oder Ostbahnhof bis Friedrichsberger Straße, 2 Min. Fußweg

Frank Schirrmacher

Frank Schirrmacher, geboren 1959, war Journalist, Sachbuchautor und seit 1994 einer der Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ). Schirrmacher studierte Germanistik, Anglistik und Philosophie in Heidelberg und Cambridge. Seit 1985 arbeitete er im Feuilleton der FAZ und übernahm 1989 als Nachfolger von Marcel Reich-Ranicki die Leitung der Redaktion Literatur und literarisches Leben. 1994 wurde er als Nachfolger von Joachim Fest zum Herausgeber ernannt, zuständig für das Feuilleton.

Schirrmacher prägte auch als Autor wichtige Debatten. So erschien 2004 „Das Methusalem-Komplott“, in dem es um das Problem der Überalterung ging. 2006 folgte „Minimum: Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft“, das sich der Auflösung klassischer Familienstrukturen widmete. 2009 präsentierte Schirrmacher mit „Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen“ eine Bestandsaufnahme der allgegenwärtigen Vernetzung im Computerzeitalter. 2013 erschien Schirrmachers letztes Buch „Ego: Das Spiel des Lebens“ – ein Buch, das sich mit der Ökonomie des radikalen Egoismus auseinandersetzt.

Frank Schirrmacher erhielt zahlreiche Auszeichnungen – unter anderen das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1999), den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache (2007), den Ludwig-Börne-Preis (2009), die Josef-Neuberger-Medaille (2012) und mehrfach den Titel „Journalist des Jahres“. Frank Schirrmacher starb am 12. Juni 2014 in Frankfurt am Main.

Rudolf Augstein Stiftung

Die gemeinnützige Rudolf Augstein Stiftung versteht sich als Teil der Zivilgesellschaft. Sie fühlt sich Rudolf Augstein und seinem Engagement für den Qualitätsjournalismus, für die Künste sowie für benachteiligte Kinder und Jugendliche verbunden. Im Gedenken an ihren Gründer und Namensgeber nahm die Stiftung bürgerlichen Rechts im Jahr 2005 ihre Fördertätigkeit auf. Seither unterstützte sie mehr als 700 Projekte mit einem Fördervolumen von insgesamt rund neun Millionen Euro.